Über die Kilianskirche

Die Kilianskirche mit grünem Dach und weißen Gebäude

© Kilianskirche Bad Lausick

Die Kilianskirche bei schönstem Wetter

Herzlich willkommen in unserer über 900-jährigen St. Kilianskirche. Herzlich willkommen in einer der wohl ältesten - original erhaltenen – romanischen Kirche in Sachsen (Heinrich Magirius, Frühe Kirchen in Sachsen, Stuttgart 1994: Die kreuzförmige romanische Pfeilerbasilika St. Kilian Bad Lausick gehört zu den ältesten original erhaltenen Kirchen in Sachsen überhaupt).

Ja, St. Kilian als eine romanische Kirche ist damit auch schon eine Andacht, eine Predigt per se. Im äußeren Bestand der Kirche spiegelt sich das Leitbild der „festen Gottesburg“ wider.

Wir hören es mit den Worten des 18. Psalmes:

„HERR, mein Fels, meine Burg,
mein Erretter, mein Gott, mein Hort,
auf den ich traue,
mein Schild und Berg meines Heiles
und mein Schutz…“

Damit drückt der Psalmbeter aus: „Ich bin, ich fühle mich sicher und geborgen in Gott.“

Sicher und geborgen fühlen, – das ist wichtig, konstitutiv wichtig, für Menschen, besonders in Umbruchzeiten oder in einer völlig entgrenzt scheinenden Welt wie der heutigen. Es begann vor mehr als 900 Jahren als Benediktinermönche aus dem Kloster Schwarzach am Main (heute Münsterschwarzach) und fränkische Bauern ihre vertraute Heimat verließen und sich auf den Weg machten in ein neues Land.

Sie kamen hierher und fanden zunächst nur eine sumpfige Gegend vor. Lausick – Luzke (gesprochen Luschke): Sumpfgebiet, Wildnis. Sie nahmen die Aufgabe, derentwegen Graf Wiprecht von Groitzsch sie ins Land geholt hatte, an und rangen der Sumpflandschaft und der Wildnis Kulturlandschaft ab, um zu kultivieren, um „zu bebauen und zu bewahren…“ (Gen. 1 u. 2).

Sicher und geborgen fühlen, das ist wichtig - konstitutiv wichtig – für Menschen auch heute. Geordnet und klar strukturiert, in der Form des lateinischen Kreuzes und damit konzentriert auf das Wesentliche, so ist diese Kirche erbaut.

Das heißt von Gott, von Christus, her zu uns mit seinem Zuspruch und seinem Anspruch und auf Gott, auf Christus, hin mit unserer Antwort auf Gottes Zuspruch und Anspruch, so ist sie ausgerichtet. Er ist Schöpfer und Erhalter und damit Herr der Geschichte und barmherziger Vater zugleich (s. den erhalten gebliebenen Umriss des Apsisfreskos.

Das ist die erste – gewissermaßen sichtbare – Predigt der romanischen Kirche.

Ein zweites Element, wenn Sie so wollen, ein zweiter – innerer – Predigt-/Andachtteil:

Diese Kirche ist ursprünglich eine Klosterkirche, die später erst Pfarrkirche wurde. Sie ist die Klosterkirche eines ehemaligen Benediktinerpriorates (eingerichtet vom Kloster Pegau, das 1091 vom Grafen Wiprecht von Groitzsch gestiftet, 1096 geweiht und von Benediktinern aus dem Kloster Schwarzach am Main geführt wurde) und damit Glied einer weltweiten, über 1.500 Jahre alten Kette, die bis in unsere Tage reicht.

Es galt - und wenn Sie wollen, es gilt auch heute noch – die Benediktinerregel:
„Ora et labora et lege – Bete und arbeite und lies“ (in den <biblischen> Büchern und Ordensregeln).

Das Beten ist nötig zum inneren Klären des ganzen Menschen, so wie Gerhard Tersteegen in einem bekannten Lied schreibt:

„Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten und der Sonne stille halten,
lass mich so still und froh deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.“ (EG 165,6)

Daraus erwächst dann das Arbeiten, das verantwortliche Wahrnehmen des Schöpfungsauftrages und schließlich das Lesen, um immer wieder auf’s neue zu verstehen, um Sachkompetenz zu erlangen, um angemessene Worte zu finden und zu haben, die verständlich nachvollziehbar sagen, worum es im Kern einer Sache wirklich geht.

Das ist die „innere Predigt“ dieser romanischen Kirche bis heute, bis in eine Zeit, in der mehr denn je zu gelten scheint, dass operative Hektik geistige und geistliche Windstille ersetzen bzw. überspielen soll.

Das ist die "innere Predikt" dieser romanischen Kirche gegen den Ungeist und das Motto unserer Tage: „Wir sind wild entschlossen, wir wissen nur nicht wozu…“

Diese Kirche lädt ein zum „ora et labora et lege – Bete und arbeite und lies…“ der Benediktiner. Sie lädt ein zu dem, was Dr. Martin Luther praktiziert hat und was er uns mit auf den Weg gibt: „Ich habe heute viel zu tun. Darum will ich zuerst viel und kräftig beten…“ Sie lädt uns schließlich ein zu dem, was Jochen Klepper uns in einem schönen wie eindrücklichen Mittagslied geschenkt hat:

„Die Hände, die zum Beten ruhn,
die macht Gott stark zur Tat
und was der Beter Hände tun,
das wird nach seinem Rat. (EG 457, 11)

Die romantische Kirche macht uns bewusst, was Dietrich Bonhoeffer für unsere Zeit so formuliert hat: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: Im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren…muß neugeboren werden aus diesem Beten und Tun…“ (Widerstand und Ergebung, EVA 1982, S. 328).

Nach dem Artikel "Kleiner `geistlicher` Kirchenführer der St. Kilianskirche von Arnold Liebers (ehemaliger Pfarrer von Bad Lausick 2001-2010)